Gruppe A: Türkei ringt Tschechien nieder
16.06.2008, von Michael Kommentare (0)
Foto: flickr.com
Solche Dramen schreibt nur der Fußball! Die Türkei dreht das „Achtelfinale” gegen Tschechien von 0:2 auf 3:2, steht im Viertelfinale. Die Schweiz feiert gegen eine portugiesische B-Auswahl mit einem 2:0 ihren einzigen Gruppensieg.
Die Ausgangsposition: Portugal liegt nach zwei Spieltagen uneinholbar auf Platz eins der Gruppe A, die Schweiz ist bereits ausgeschieden. Die Türkei und Tschechien liegen bei jeweils drei Punkten und gleichem Torverhältnis auf Platz zwei. Also kam es zum Endspiel zwischen den von Fatih Terim und Karel Brückner trainierten Teams. Hätte dieses Spiel unentschieden geendet, so wäre nach der regulären Spielzeit zum Elfmeterschießen gekommen, weswegen im Vorfeld schon von einem außerordentlichen Achtelfinale die Rede war. Nach dieser Konstellation sah es aber lange nicht aus. Das Spiel wurde von Beginn an recht hart geführt, schon in den ersten zehn Minuten griff Referee Peter Fröjdfeldt dreimal zur Gelben Karte, dreimal gegen die Türkei. Das Spiel machten aber die Tschechien, die mit hohen Bällen vor allem von der rechten Flanke immer wieder Jan Koller suchten. Der 2,02 Meter-Riese, der in der vergangenen Saison mit dem 1. FC Nürnberg in die Zweite Deutsche Liga abgestiegen war, erhielt von Brückner den Vorzug gegenüber Milan Baros und dankte es seinem Coach mit dem 1:0 in der 34. Minute. Wieder war es eine Flanke über links, diesmal getreten von Grygera, und Kollers haupthaarloser Kopf tat, wofür er bestimmt war. Nach der Pause wurde der Niederschlag in Genf stärker, das schien die Türken an ihr Spiel gegen die Schweiz zu erinnern. Vier Tag zuvor drehten sie die Partie gegen die Eidgenossen im strömenden Regen von 0:1 auf 2:1. Goalie Petr Cech vereitelte aber jegliche türkische Torchance. In der 62. Minute schien dann alles erledigt. Plasil erhöhte nach Sionko-Flanke auf 2:0 und die Tschechen planten, die letzte halbe Stunde routiniert herunterzuspielen. Die türkische Leidenschaft schien auf diesem Konzept aber nirgends auf. In der 74. Minute passte Altintop auf Arda Turan, der völlig frei stehend in die linke untere Ecke treffend verkürzen kann. Die tschechische Abwehr zeigt sodann erste Zerfallserscheinungen. Petr Cech, zum UEFA Torhüter des Jahres 2007 gewählt, ist der Hauptverantwortliche für den Ausgleich. In der 87. Minute lässt er den Ball nach einer Flanke von Altintop wieder aus und legt ihn dem türkischen Kapitän Nihat Kahveci vor die Füße und das leere Tor. Tatsächlich wäre es nun zum Penaltyschießen gekommen, hätte sich Nihat nicht zwei Minuten später erneut ein Herz gefasst und aus 16 Metern Cech überhoben und unter die Latte getroffen. In vier Minuten Nachspielzeit werfen die Tschechen alles nach vorne, Torhüter Volkan stößt nach einem solchen Angriff Jan Koller nieder, sieht Rot. Weil die Türken schon drei Mal gewechselt hatten, muss jetzt Feldspieler Tuncay ins Gehäuse. Tschechien gelingt der abermalige Ausgleich nicht, die Türkei steht im Viertelfinale und trifft dort auf Kroatien, den Sieger der Gruppe B.
Im zweiten Spiel des Abends ging es für Portugal und die Schweiz in Basel um nicht mehr als die sportliche Ehre. Wegen des bereits fixierten Aufstiegs schickte Scolari eine B-Elf auf den Platz, schonte seine Stars Cristiano Ronaldo, Deco und Nuno Gomes fürs Viertelfinale. Die Schweizer wollten ihrem abtretenden Trainer Köbi Kuhn ein Abschiedsgeschenk machen, mussten zu Beginn aber Portugal das Spiel überlassen. Gegen die portugiesische Technik setzten die Schweizer Kampfgeist und als Lichtsteiner Nani in der 15. Minute im eigenen Strafraum legte, blieb die Pfeife von Schiedsrichter Plautz grundlos stumm. Einmal Aluminium und einmal Torhüter Zuberbühler retteten die Schweiz vor einem Rückstand, zweimal Ricardo tat dies auf der anderen Seite. Referre Plautz war weiterhin einer der schlechteren Akteure am Platz, gab Ferreira nach einem ausschlusswürdigen Foul nur Gelb (30.) und aberkannte ein reguläres portugiesisches Tor durch Postiga (36.). Nach dem Wechsel drängten die Iberer weiter, Postiga köpfte jedoch über das Tor, Nani traf die Stange und gegen Quaresma rettete Zuberbühler. Eine halbe Stunde vor Schluss spielten die Hausherren groß auf. Einen Derdiyok-Schuss lenkte Pepe zur Ecke, Inler scheiterte am Aluminium. In der 71. Minute durften die Schweizer endlich jubeln, Yakin trifft nach sauberer Derdiyok-Vorlage durch Ricardos Beine zur Führung (71.). In der 83. Minute ist das Spiel entschieden, Hakan Yakin erzielt sein drittes und letztes Tor dieser Endrunde per Elfmeter, Meira brachte zuvor Barnetta im Strafraum zu Fall. Die Schweiz verabschiedet sich also durch den ersten Sieg gegen Portugal seit 26 Jahren (2:1 im März 1982 in Lugano) gebührend aus dem Heimturnier.
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