Viertelfinale: Spanien besiegt Italien und die Geschichte
23.06.2008, von Michael Kommentare (0)
Foto: flickr.com
Drei Mal schied Spanien bei großen Turnieren an einem 22. Juni im Viertelfinale nach dem Elfmeterschießen aus. Heuer hatten die Iberer in dieser Prozedur die besseren Nerven, gewannen nach 120 torlosen Minuten gegen Italien 4:2 vom Elfmeterpunkt aus.
Am 22. Juni 1986, es war die Weltmeisterschaft in Mexiko, begann der spanische Viertelfinalfluch mit einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Belgien. Auf den Tag genau zehn Jahre danach unterlagen die Spanier EM-Gastgeber England im Penaltyentschießen mit 2:4. Noch einmal sechs Jahre später stand es gegen Südkorea auch nach der Verlängerung 0:0, die Asiaten gewannen das Elfmeterschießen mit 5:3. Kein Wunder, dass Luis Aragones und sein Team nicht auch am 22. Juni 2008 die Elfmeter entscheiden lassen wollten. Dafür strengten sie sich allerdings in den vorausgegangenen 120 Minuten fast ein bisschen zu wenig an.
Nicht anders aber agierten aber die Italiener: Beide Teams zeigten sich von Beginn weg in der Abwehr taktisch diszipliniert, machten die Räume dicht und versuchten über einen gesicherten Spielaufbau zum Erfolg zu gelangen. Das Mittelfeld wurde deshalb nur selten schnell überbrückt, wodurch die gut gestaffelten Defensivreihen den Stürmern Villa und Torres auf spanischer bzw. Toni auf italienischer Seite kaum Platz zur Entfaltung boten. Erstmals werden die Italiener dem spanischen Tor in der 19. Minute gefährlich, ein Perrotta-Kopfball fällt allerdings zu unplatziert aus. Gegenüber scheitern Villa mit einem Freistoß (25.) und Silva mit einem Distanzschuss (32.) an Goalie Buffon. Zwei weitere Chancen (Toni, 36. bzw. Silva, 38.) beleben das Spiel zu Ende der ersten Hälfte noch einmal, bevor die spanischen Emotionen ihren bisherigen Höhepunkt erleben: Kein Torjubel ist daran Schuld, sondern Schiedsrichter Fahndel, der nach einem Foul an Silva nicht auf Elfmeter entscheidet, dem Spanier stattdessen die Gelbe Karte wegen einer vermeintlichen Schwalbe zeigt.
Auch in der zweiten Halbzeit sind sich beide Mannschaften der Wichtigkeit dieses Spiels bewusst und wollen keinen Rückstand riskieren. Die Spanier gewinnen ab nun einen leichten Überhang. Das liegt vor allem auch an der Fehleranfälligkeit des italienischen Mittelfelds, dem die Abwesenheit der Stammkräfte Pirlo und Gattuso zum Nachteil geraten. Die größte Chance des Spiels finden trotzdem die Italiener vor, der mittlerweile eingewechselte Camoranesi muss sich aus fünf Metern Entfernung aber Torhüter Iker Casillas geschlagen geben (61.). In der Folge findet sich Spanien noch ein wenig besser zurecht und hat durch Senna auch die bessere Chance, ein 0:0 abzuwenden (81., Buffon und die Stange verhindern in Etappen ein spanisches Tor).
Dieses Spiel verdiente sich aber nichts anderes, als torlos zu enden, das Rasenschach geht in eine halbstündige Verlängerung. Trotz Möglichkeiten durch Di Natale (95.) und Camoranesi (96.) bzw. Silva (93.) und Villa (110.) muss nach zaghaften 120 Minuten ein Elfmeterschießen im Wiener Ernst Happel-Stadion entscheiden. Wovor die Spanier sich fürchteten, wird den Italienern zum Albtraum. Casillas hält die Schüsse von De Rossi und Di Natale, gegen Grosso und Camoranesi ist er chancenlos. Weil Buffon nur den Penalty von Güiza abwehren kann, Villa, Cazorla, Senna und Fabregas hingegen ihre Elfer verwerten, besiegt Spanien seinen Fluch und steht im Halbfinale. Am Freitag wird die Selección gegen Russland um den Finaleinzug spielen.
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