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Sprachbarrieren

30.11.2007, von Michael Kommentare (7)

Grafik: Privat
Grafik: www.fanline08.at

Wer Fußballübertragungen im österreichischen Fernsehen verfolgt und fragend auf die Mattscheibe blickt, den verwirren womöglich nicht die Entscheidungen des Schiedsrichters, sondern der hiesige Fußballjargon.

Der österreichische Sprachgebrauch unterscheidet sich schon bei fußballerischen Themen in mehreren Punkten vom bundesdeutschen. Das wird auch bei der Bezeichnung des WM-Spiels von 1978 zwischen den beiden Nationen in Argentinien ersichtlich: Sprechen die Deutschen von der „Schmach von Córdoba”, so erinnern sich die Österreicher wehmütig an das „Wunder von Córdoba“.

Wahrscheinlich schon seit dem Import des Fußballs aus England macht sich in Österreich (vor allem bei Fernsehkommentatoren) der Einfluss des Mutterlandes bemerkbar: Ein Eckstoß wird fast immer „Corner” genannt, der Elfmeter schon einmal als „Penalty”, das Handspiel als „Hands” und die Abseitsstellung als „Offside” bezeichnet.

Vom Hamburger Hafen bis zum Wiener Praterstern

Einer der bekanntesten Austriazismen ist das „Gurkerl”, das Durchspielen des Balles zwischen den Beinen des Gegners, wozu die nördlichen Nachbarn gerne auch „Tunneln” sagen. Wer auf der „Gstettn” ein „Türl” macht, der erzielt auf holprigem Rasen ein Tor. Geht die „Wuchtl” nur an den „Pfosten”, so ärgert sich der Schütze über einen von der Torstange abgeprallten Ball. Dabei ist egal, ob er mit dem „Spitz” getroffen wurde - das ist der etwas verschmähte Schuss mit den Zehenspitzen - oder ihm eine ordentliche „Fettn” (Drall) mitgegeben wurde.

Technisch versierte Spieler üben sich im „Gaberln”, halten also die Kugel trickreich in der Luft. Oder sie spielen den Ball auf der einen Seite des Gegners vorbei, überlaufen ihn auf der anderen und holen sich das Spielgerät wieder zurück - dieser Trick heißt: „Eisenbahner”. Das „Ferserl” ist ein Hackentrick und ein Querpass durch die Verteidigung ist in Österreich als „Stanglpass” bekannt.

Ballesterer

Unter den 22 „Ballesterern” am Fußballplatz befindet sich auch der „Goalie” - der Torhüter, der vom Publikum auch schon einmal als „Eiergoalie” tituliert wird, wenn er sein Fach nicht tadellos beherrscht. Bei einem „Lochpass” wird in die Gasse zwischen zwei Gegner, meist Verteidiger, gespielt und die Taktik mit kurzen Pässen kennt man auch als „Scheiberlspiel”.

Hat eine Mannschaft einen Simulanten in ihren Reihen, so wird dieser in österreichischen Stadien „Tachinierer” geschimpft. Kraftausdrücke wird sich auch jenes Team gefallen lassen müssen, das einen „Topfen” (wörtlich: Quark) spielt; denn es wird kein „Leiberl” (T-Shirt) reißen, demnach keinen Erfolg haben und bei der EM niemals einen Platz am „Stockerl” ergattern - bei der Siegerehrung also nicht am Podest stehen.

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Kommentare

Konstantin 02.12.2007

Sehr gut, nutzt aber alles nichts, am 16.06, wird der Klose mit dem Macho (Goalie) ein “Gurkerl” machen und die Wuchtl mit Fettn zum einem Türl verwandelen!

christof 04.12.2007

deutschland spielt das erste spiel unentschieden - dann gibts prügel von der bild-zeitung, dann ist plötzlich massiver druck da, der wird im zweiten spiel nicht bewältigt und schwuppdiwupp schaut die welt ganz anders aus ;-))

John 13.12.2007

Also: Reissn mir Ösis a Leiberl - oder spüln ma an Topfen? Ich glaub, wir sind unserer Milchindustrie sehr verbunden. Aber vielleicht gurken unsere Ballesterer so virtuos herum dass … The force be with them.

Icherl macherl einerl Blickerl innerl Lexikonerl | EURO 2008 28.01.2008

[…] puncto Fußballsprech haben wir uns sagen lassen, dass hands, corner, penalty und offside nicht selten vorkommen, ansonsten die Wuchtl für […]

jürx 29.01.2008

eh wurscht, wir reissen nix, tachinierer hom ma a gmui. und da wüstenpepi mocht mi scha grantig woun i iam nur siach!

drahdiwaberl 16.02.2008

nachdem sich die fernsehkommentatoren-sprache ziemlich bald nach dem import des fussballs aus britannien entwickelt hat, konnte sie sich auch recht schnell in ganz österreich verbreiten.
- des woa schee aufglegt, oida, und daun locka mitn linkn bock einegschlenzt. und aa da autwachla hot g´locht. und wida a trümmerl in da kistn.
schee aufglegt=hingelegter ball,
oida=mann, bock=fussballschuh, einegschlenzt=lockerer schuss, autwachla=schiedsrichterassistent, trümmerl siehe goi,goal, kistn=torgehäuse.
c u in wien

iggy 26.04.2008

Wenn ich mir den ‘Stangerlpass’ so anschaue, dann scheint das ‘Fußballsprech’ im Lande der nie endenden Skipisten Anleihen bei eben jenen genommen zu haben - ein Sport von dem die alpindeutsch sprechende Nation immerhin beachtliches versteht. Auch das ‘Scheiberlspiel’ dürfte aus dem Wintersport kommen - vom Eishockey, einem Sport von dem die Nachfahren Andreas Hofers zwar nix verstehen - aber sie verstehen darüber zu parlieren - und das ist eh die Hauptsache.

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